Der alte Mann und das Air

– oder eine Ode an Tony Hawk

Liebe Freunde des gepflegten 540 Stalefish, am 4. September dieses Jahres war es soweit, die Ikone des Brettsports, der König der Kombos, der Schutzgott der verknoteten Finger und der Sehnenscheidenentzündung kehrte zurück.Nun stehe ich persönlich Remakes zuerst einmal grundsätzlich eher skeptisch gegenüber, aber schon bei der Ankündigung von Tony Hawk’s Pro Skater 1+2 fingen meine Augen an zu glänzen.

Damals, im Jahre des Herren 1999, war die Welt eine Andere.
Zuerst einmal, ich war jung, meine Reflexe katzenhaft, meine Haare lang und ohne silbergraue  Follikel.
Die Goldammer war Vogel des Jahres, Britney Spears trällerte „Hit me baby one more time“ und in der PS1 rotierte der gute Tony.
(Btw wäre er genauso bekannt geworden wenn er zum Beispiel Franzose wäre? Wäre der Name Antoine Falcon genauso einprägsam? Ja, das sind Fragen, welche mich des Nächtens beschäftigen.)
Item, der erste Teil wurde exzessiv gespielt und kaum hatte ich alles erreicht, was es zu holen gab, erschien bereits der zweite (und beste) Teil der Serie; diesmal bereits auf Segas letzter Daddelmaschine: dem Dreamcast (ich liebe die Kiste!)

Zeitsprung: September 2020, die Reflexe sind mittlerweile die eines narkoleptischen Faultiers, die Haare zwar immer noch wild, aber durchaus reduziert, Vogel des Jahres: die Turteltaube und fragt mich nicht was in den Charts ist; ich bin zu alt…
Die Spannung zerreisst mich förmlich.
Ist der Tony immer noch gut? Gelingt das Remake? Blicke ich vielleicht nur verklärt auf meine verblichene Jugend zurück?
Intro beginnt…Skatervideo…Rage against the Machine…Gänsehaut…ich bin wieder 19, ich bin unsterblich, nichts tut weh, kein Knochen knackt…Yeeehaa!!

Nach kurzer Eingewöhnungszeit ist klar: ich hab‘s noch drauf… 77‘000er Kombo (ja da ginge durchaus mehr; ich bin jedoch zufrieden).
Ich sammle S K A T E, ich hole versteckte Tapes und schlage Highscores…und ich leg mich hin.
Viele, viele Male.
Hier auch der erste Kritikpunkt, der Skater schleift nicht mehr mit einer Blutspur über den Boden sondern flackert wie ein Hologramm…naja, schade, aber was soll‘s.
Dafür scheinen die Entwickler etwas Gesellschaftskritik versteckt zu haben.
Soweit ich mich erinnern kann (Irrtum nicht ausgeschlossen, ich lasse mich gerne eines Besseren belehren) war das Einkaufszentrum im Original eine schicke State of the Art-Mall, im Remake ist sie infolge des veränderten  Kaufverhaltens verlassen und scheint schon einige Zeit leer zu stehen, während der Zahn der Zeit daran nagt (gewisse Ähnlichkeiten mit dem Autor sind unverkennbar).
Aber wisst ihr was? Ich fühl mich jung, dank Antoine Falcon und seinen unerschrockenen Mitstreitern.

Wer das Teil früher geliebt hat, der wird es wieder tun.
Die Jagd nach dem perfekten Run, dem Streben nach der unendlichen Kombo, hat nichts an Faszination eingebüsst.
Der (grösstenteils) altbekannte und (meistens) hervorragende Soundtrack wirkt wie ein Jungbrunnen. Die Grafik ist nicht überragend aber durchaus gelungen.

Wer sich bis anhin zierte, höre mich wohl an:
Holt es euch, es ist sehr, sehr gut…


…und mit dem noch besseren zweiten Teil habe ich noch nicht einmal angefangen.

Text vom ponyhofbesucher

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