Serien-Favourites: Tote Mädchen lügen nicht

Aus aktuellem Anlass möchte ich euch als zweite Serie in meiner Rubrik „Serien-Favourites“ das Netflix-Original „Tote Mädchen lügen nicht“ vorstellen. Seit Anfangs Juni läuft hier nämlich die vierte und letzte Staffel. Ich werde natürlich versuchen, Spoilers so gut wie möglich zu vermeiden, doch werden vielleicht über die Staffeln 1-3 einige kleine Spoilers nötig sein, um auch auf die Story der vierten Staffeln eingehen zu können.

Alles beginnt damit, das sich Hannah Baker das Leben nimmt. Das ist ja schon tragisch genug, aber sie hat 13 Kassetten aufgenommen, in denen sie erklärt, wieso sie das getan hat. Jede Kassette behandelt eine Person, die Hannahs Meinung nach an ihrem Selbstmord die (Mit)-Schuld trägt. Unter eben diesen Schülern der Liberty High werden die Kassetten rumgereicht und so nimmt das Unheil seinen Lauf. Denn es ging dabei nicht nur um Lappalien, es wurden auch echt schlimme Verbrechen von und an den Schülern begannen. In der ersten Staffeln begleiten wir Clay, der in Hannah verliebt war, wie er die Kassetten anhört und versucht herauszufinden, wer denn nun Schuld an ihrem Tod ist. Schlussendlich stellt sich auch die Frage: sollen die Freunde die Kassetten der Polizei übergeben?
In der zweiten Staffel steht vor allem der Gerichtsprozess zum Selbstmord von Hannah Baker im Fokus. Hannahs Mutter will damit die Schule in die Verantwortung nehmen, die aus ihrer Sicht zu wenig bis gar nichts für Hannah getan hat, um deren Selbstmord zu verhindern. Auch in dieser Staffel kommen viele Geheimnisse ans Tageslicht, von denen wir (und Clay) noch nichts geahnt hatten.
Mit der dritten Staffel verabschiedet sich die Handlung etwas vom Ursprung. Es wird ein Schüler der Liberty High (den wir aus den vorherigen Staffeln bereits kennen) ermordet und nun gilt es herauszufinden, wer es getan hat. Denn es sieht ganz danach aus, dass es jemand von der Liberty war.
In der kürzlich erschienen vierten Staffel dreht ich dann alles komplett um die psychische Gesundheit von Clay. Nach den ganzen Erlebnissen der vergangenen Staffeln geht es ihm nicht gut und es bahnen sich weitere Tragödien an. Denn es gibt nicht nur Schüler, die der offiziellen Geschichte zum Mord in Staffel 3 nicht glauben, Clay wird zudem schikaniert und erpresst, so dass er immer mehr die Fassung verliert.

Klar, gibt es noch unzählige weitere Storystränge, in denen unter anderem Mobbing, Vergewaltigung, Drogenmissbrauch, und sogar ein Amoklauf thematisiert werden. Aber um auch Einsteigern der Serie nichts im Voraus zu verraten, möchte ich nicht weiter auf diese Abschnitte der Story eingehen.

Die Serie war umstritten aufgrund der heiklen Themen, die aufgegriffen und thematisiert werden. Ich muss ganz ehrlich sagen, dass mich einigen Folgen wirklich sehr stark mitgenommen haben und ich die Serie niemandem empfehle, der ein zartes Gemüt hat. Auch wenn die ersten paar Folgen noch nicht allzu schlimm sind, wird vor allem in der ersten und der letzten Staffel die Handlung zum Schluss hin exponenziell immer düsterer. Naja, die vierte Staffel ist von Beginn an seeeehr düster und depressiv, aber auch hier findet eine starke Steigerung zum Ende hin statt. Diese beiden Staffeln haben mir auch am besten gefallen, da die Spannung hier stehts aufrecht erhalten wird und jede Folge die vorherige nochmals toppt. Das heisst natürlich auch, dass die ersten paar Folgen nicht so mitreissend sind wie die letzen. Doch in Anbetracht der riesigen Steigerung ist das nicht schlimm. Ein Zuschauer kann schliesslich nicht 13 Folgen lang Tragik, Traurigkeit und Depression aushalten.
Was mir an „Tote Mädchen lügen nicht“ sehr gut gefällt, ist die Echtheit der Serie. Damit meine ich, dass nichts verschönert oder ausgelassen wird. Es wird auch nicht auf künstliche Happy Ends gesetzt und man kann nicht von Beginn an voraussagen, was passieren wird. Die Serie versucht das echte Leben von Teenagern darzustellen: direkt, unbarmherzig, unbequem, unvorhersehbar, aber ab und zu auch einfach nur wunderschön. Im Fokus steht auch ganz klar die Freundschaft. Denn nur diese hält die Freunde zusammen und gibt ihnen etwas Sicherheit. Auch wenn dieses Geflecht sehr zerbrechlich ist und teilweise kurz vor dem Zusammensturz steht, ist es doch schön zu sehen, wie sie sich gegenseitig in sehr schwierigen Situationen helfen. Vor allem die Hauptfigur Clay Jensen setzt sich immer unerbittlich für seine Freunde ein, denn er will nicht das nochmal so was wie bei Hannah passiert. Auch wenn ich Clay als Charakter eigentlich nicht mag, gefällt mir diese Eigenschaft an ihm sehr gut. Aber manchmal übertreibt er es halt auch und er tut genau das, was doch jeder weiss, dass man eben nicht tun sollte. Er ist so verkrampft und verschlossen und, und, und… Aber genau da kommt die Realität ins Spiel: Kein Mensch ist perfekt, jeder hat eine gute und eine unangenehme Seite. Genau so sind auch die Charakter in „Tote Mädchen lügen nicht“.

Ich habe etwas Zeit gebraucht, um die vierte Staffel fertig zu schauen, denn irgendwie sind die Folgen so bedrückend, dass nicht mehr als zwei am Stück möglich waren. Auch wenn mich interessiert hat, wie es weiter geht, brauchte ich etwas Pause dazwischen. Vielleicht liegt es auch daran, das es in dieser Staffel vor allem um Clay ging, und ich ihn wie bereits erwähnt nicht so sehr mag. Trotzdem ist sie sehr spannend und wirklich sehenswert. Die letzte Folge dauert anstelle von ca. einer Stunde ganze 1.5 Stunden, und ja, ich habe wahrscheinlich die ganzen 90 Minuten durchgeweint. Die Serie ist einfach sehr emotional und traurig, aber die letzte Folge setzt nochmals einen obendrauf. Vergesst also nicht die Taschentücher, wenn ihr bei dieser Folge angekommen seit.

Ich empfehle die Serie jedem, der gerne echt wirkende Storys mit sehr viel Tragik mag. Nichts wirkt gekünstelt und sehr echt und hautnah. Gesellschaftlich heikle Themen werden behandelt, anstatt sie nur anzudeuten. Aber man muss auch eine dicke Haut mitbringen, damit man nicht zu sehr von den ernsten Themen emotional beeinflusst wird.

Hauptcharakter: 7
Spannung: 8
Abwechslung: 7
Komplexität: 8

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

search previous next tag category expand menu location phone mail time cart zoom edit close