Tagebuch eines Videospieljunkies – Teil 3

Wie könnte ich über’s SNES schreiben, ohne „Super Mario Kart“ zu erwähnen, nein, es in den höchsten Tönen zu loben! Die ganzen Charaktere des Mario-Universums vereint, um im ersten Funracer der Welt um die Wette zu flitzen. Diverse Abkürzungen, das Abfeuern der grünen Panzer und das hämische Lachen, wenn man damit den Vordermann aus der Bahn warf. Dabei hatte man selbst im Singleplayer Modus nur den halben Bildschirm zur Verfügung, während die untere Hälfte eine Karte der Strecke zeigte. Dass man das Hauptspiel auch zu zweit spielen konnte, setzte dem Ganzen die Krone auf; das war Spielspass in einer neuen Dimension und nebenbei eine Kindheitserinnerung, die mein Spielverhalten bis heute prägt. So führe ich instinktiv einen Freudentanz auf, sobald ein neuer Titel der rasenden Nintendo-Truppe angekündigt wird.

Ein weiteres Spiel der 16-Bit Generation, welches sich in meinen Synapsen einbrannte, war „Super Parodius“ von Konami. Die Ballerspezialisten aus Fernost, die neben Gradius und TwinBee noch diverse andere Shoot’em Ups kreierten, nahmen sich in Parodius selbst auf die Schippe. Da fliegt man schon mal mit einer Sau durchs Weltall und ballert auf Uncle Sam, kämpft gegen Statuen, die direkt von der Osterinsel zu stammen scheinen, oder fliegt einer leicht bekleideten Dame zwischen den Beinen hindurch. Höhepunkt der schrägen Ballerei ist schliesslich der Endboss, der sich nach einer gewissen Zeit selbst zerstört, ob ihr nun auf ihn ballert oder nicht.
Nun bis dahin ist es trotz aller Niedlichkeit ein knallhartes Stück ’90er Software, welches man zu dieser Zeit nicht verpassen durfte; es ist im Übrigen durchaus gut gealtert und auch heute noch eine Runde wert.

Ganz nebenbei kam ich erstmals mit Simulationen in Kontakt. Zuerst war da „Populous: Eine Göttersimulation“ der man die Herkunft des Computers leider anmerkte, da sich die Steuerung per Pad einfach nicht gut anfühlte. Es war dennoch fantastisch, wie man die Landschaft gestalten und die Bewohner piesacken konnte.
Danach kam „SimCity“, welches sich ganz dem Bau einer Stadt und den Problemen eines Bürgermeisters widmete. Kritik der Bewohner nahm ich mir immer sehr zu Herzen, wollte ich doch die perfekte Stadt errichten. Und wenn alle Stricke rissen, konnte man immer noch Bowser, die Riesenechse die gerne Marios Freundinnen entführt, auf die Stadt loslassen.

Zu dieser Zeit kamen auch die ersten voll lizensierten EA-Sportspiele auf den Markt. Die NHL-Games hatten schon damals alle Teams und Spieler der gesamten nordamerikanischen Profiliga im (speicherplatztechnisch doch arg begrenzten) Modul und boten erstklassige Unterhaltung.
Bei den Fussballspielen gehörte ich zu dieser Zeit aber ganz klar zur Konami-Fraktion, die mit Titeln wie International Superstar Soccer den heutigen Marktführer FIFA klar an die Wand spielten.

Und dann war dieser kleine, grüne Elf wieder auf Besuch, noch grösser, noch komplexer, noch epischer! „The Legend of Zelda: A Link to the Past“, erfreute unsere damals noch intakten Augen mit schön gezeichneten Grafiken, anspruchsvollen Rätseln, sowie Zeitreisen und einer packenden Story.
Von Dungeon zu Dungeon wurde es stetig noch besser, bis zum finalen Endkampf und der berühmten Träne im Knopfloch weil das Spiel zu Ende war.
Ein Geständnis am Rande: Dies ist bis heute der einzige Zelda Titel den ich tatsächlich durchgespielt habe. Bei allen anderen Titeln der Reihe hinderte mich immer eine unbekannte Macht am erfolgreichen Durchzocken.

Es folgte eine Durststrecke, andere Sachen begannen mich zu interessieren – dies hatte meistens mit kurzen Röcken und engen T-Shirts zu tun, allerdings vermisste ich eine Punkteanzeige (im Nachhinein betrachtet dürfte ich um diesen Umstand wohl froh sein).

Es gab immer noch samstägliche Street Fighter Matches der Art „Wer zuerst 100 Matches gewonnen hat…“ (…bemerkt als Erster, dass die Sonne unterdessen untergangen ist). Neue Spiele wollte sich allerdings keiner mehr so recht leisten, und es wurde ein wenig ruhiger was Videospiele anbelangte.
Am Rande erfuhr ich, dass Sony nun in den Hardware-Markt einsteigen wollte und auch Sega plante eine neue Maschine mit mehr Power zu veröffentlichen.
Meine Begeisterung war überschaubar, die Polygongrafik erlaubte zwar dreidimensionale Räume, wirkte allerdings sehr eckig und kantig und versprühte kaum den Charme der bezaubernden Bitmap-Grafiken die auf den alten Geräten bis zur Perfektion getrieben wurden.

Auf einem alten 486er spielten wir lieber Larry, den liebenswerten Loser, dessen Ziel es war, im Laufe des Spiels möglichst viel „Verkehr“ zu haben. Schlüpfrig, lustig und schlüpfrig, was will ein Heranwachsender mehr?!
Ganz nebenbei hat dieses Spiel wohl den Nobelpreis für Aufklärung verdient! Ich erinnere mich noch genau, nach langer Suche und diversen zotigen Gesprächen, gelang Larry schliesslich der erste Erfolg; eine Professionelle gab nach langem Gebettel schlussendlich nach und Larry kam zum Zuge.
Geschafft! Flott gespeichert und voller Elan ins Taxi gestiegen, um die nächste Eroberung klar zu machen.
Tja, blöde nur, dass Larry im Taxi an einer Geschlechtskrankheit zu Grunde geht, da er sich nicht geschützt hatte. Da der Speicherstand direkt nach dem Akt angelegt wurde, blieb nichts anderes übrig als das Spiel komplett von vorne zu starten, da der arme Larry ansonsten in der Endlosschleife röchelnd dahinsiechend auf der Rückbank eines Taxis sein Leben aushauchte.
Also vor besagter Szene einen Abstecher in die Apotheke gemacht und ein Kondom errätseln, um schlussendlich nicht nur erfolgreich, sondern auch gesund, seine virtuelle Jungfräulichkeit zu verlieren.
Das nenne ich mal pädagogisch wertvoll!

Ich jedenfalls musste im echten Leben noch nie einen vorherigen Speicherstand laden oder gar vom Startbildschirm aus neu beginnen (obwohl ich an dieser Interpretation der Wiedergeburt durchaus Gefallen finde…).

Text vom ponyhofbesucher

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