Tagebuch eines Videospieljunkies – Teil 2

Unser ponyhofbesucher hat uns ja bereits den Ursprung seiner Gamerseele dargelegt. Nun geht die Geschichte in den zweiten Teil und offenbart uns die Fortsetzung seines Werdeganges! 😉

Zum Ende der neongrellen Achtziger kamen wir in den Genuss von Perlen wie zum Beispiel „Metroid“, welches nicht nur gigantisch gross war, sondern auch bockschwer.
So irrten wir monatelang durch die Levels, freuten uns über neue Items und jeden erledigten Gegner, nur um dann dem Besitzer des Titels zuzusehen, wie er das Spiel in etwa drei Stunden durchzockte, während wir bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht einmal einem Bossgegner begegnet waren, geschweige denn Mother Brains Schleimhaftigkeit erblickt hatten.

Gross war die Überraschung als sich im Abspann der vermeintliche Held als Heldin entpuppte. War in diesen Jahren die holde Weiblichkeit doch eigentlich nur als wehrloses, gekidnapptes Klischee vertreten oder als lendenschurztragendes, verkaufsförderndes Element auf dem Spielecover zu finden. Well played, Nintendo!

Nahe daran, mein Hobby aufzugeben, da ich scheinbar nicht besonders gut darin war, gab ich mir einen Ruck und legte „Punch Out“ in den grauen Brotkasten.
Riesige Sprites, die wundervoll animierten und mit Steroiden vollgepumpten Stereotypen, sowie der fetzige Soundtrack gewannen meine Aufmerksamkeit, wie ein herumliegender Erste Hilfe Kasten der von einem verwundeten Monsterjäger erblickt wird.

Zuerst wurde Little Mac (so der Name des Rockyverschnitts) windelweich geprügelt und zwar von einem Mann mit dem nicht sehr beeindruckenden Namen „Glass Joe“.
Langsam durchblickte ich die Spielmechanik und schickte das Glas Kinn auf die Bretter, und schon bald durfte ich mir den Amateurgürtel umschnallen und in die nächste Gewichtsklasse aufsteigen.
Damals war politische Korrektheit noch nicht allgegenwärtig, deshalb trugen die weiteren Gegner so illustre Namen wie der Russe „Soda Popinski“, der immer seine Wodkaflasche dabei hatte, „Don Flamenco“ aus Spanien oder den schnauztragenden Deutschen „von Kaiser“.

Tatsächlich war dies der erste Titel in dem ich die gesamte Nachbarschaft in die Tasche steckte, war ich doch der Einzige, der damals Mr. Sandman besiegen konnte.
Bei meinem ersten Sieg über eben diesen, pausierte ich das Spiel und rannte wie vom Gumba gestochen durch die Nachbarschaft, auf das jeder erfahren sollte, welche Heldentat ich gerade vollbracht hatte.
Leider hatte das Spiel gar keine Pausenfunktion, und während ich mich im Ruhm sonnte, wurde Little Mac ins Game Over geprügelt!

Tatsächlich sollte dies aber nicht mein letzter Sieg über einen vorher unbesiegbar scheinenden Gegner gewesen sein. Ich kämpfte mich, von Kollegen umrundet, sogar bis zum finalen Gegner vor, welcher niemand geringeres als Mike Tyson höchstpersönlich war.
Dieser benötigte drei Treffer um Little Mac ins Nirwana zu kloppen, während ich drei Runden lang auf ihn einprügeln musste, nur damit er ein wenig wankte.
Doch auch Mikey-Boy musste dranglauben, allerdings erst als ich mir mit einem Schummelmodul einen Vorteil ergaunerte, um mir ein wenig Zusatzpower zu verleihen… – Das verraten wir aber niemandem, also psst! – …was meine Leistung nicht im Geringsten minderte, da Iron Mike wohl unbesiegbar war, so lautet zumindest die Legende – meine Legende!

Auf des Bruders Amiga suchte mich hingegen Indiana Jones heim, zuerst „The Last Crusade“ und später auf der Suche nach Atlantis, prügelten wir uns durch Nazihorden und lösten Rätsel, indem wir kombinierten und Gespräche führten die von witzig bis krude reichten und uns zum Schmunzeln brachten. Herr Google war damals noch inexistent, wenn man nicht weiter kam, blieb einem nichts anderes übrig, als es weiter zu versuchen.
Deswegen zogen sich solche Spiele manchmal über Monate hin, und ich habe mit Mr. Jones wohl mehr Zeit verbracht als manch einer in Morrowind.

Die Welt bewegte sich weiter, die Mauer fiel, die Sowjetunion zerfiel und Mario gefiel!
Nach dem genialen Super Mario Bros 3, welches grafisch wie spielerisch neue Massstäbe setzte, folgte zu Beginn der Neunziger eine neue Wunderkonsole namens Super Nintendo oder SNES und mit ihr gleich ein weiteres Meisterwerk mit dem Prinzessinnen rettenden Klempner. Dazu gesellte sich mit dem lustigen Lurch Yoshi ein weiterer sympathischer Charakter zur Mario-Clique.
Wir konnten nicht aufhören bis wir jedes Level, jede Ecke, einfach jedes noch so kleine Geheimnis gefunden hatten.

Knallharte Action bescherte uns ein Spiel das hierzulande als Super Probotector bekannt wurde, mein Nachbar hatte allerdings eine US-Version das den Namen Contra trug, statt Roboter waren die Spielfiguren hier Menschen, was wohl der einzige Unterschied war, aber dennoch zu unzähligen Diskussionen führte.

Ein weiterer Meilenstein war die Veröffentlichung von Street Fighter 2; niemals zuvor begeisterte ein Prügelspiel mit einer solchen Fülle an Kämpfern und Kampfstilen.
Famose Grafik, Feuerbälle und Hurricanekicks, Biographien zu den Charakteren, all dies machte die Faszination dieses Kulttitels aus.
Auf den Pausenplätzen der Nation wurde darüber gestritten welcher Kämpfer der Beste sei und fanatische Ryu und Ken Fans konnten sich nicht auf einen Liebling einigen.

Die Diskussionen verstummten als ein Spiel mit dem klangvollen Namen „Mortal Kombat“ erschien.

Obwohl spielerisch klar dem Platzhirsch „Street Fighter“ unterlegen, war es einfach um Welten cooler.
Dies lag zum einen an der voll digitalisierten Kämpferriege, zum anderen an der wahnsinnigen Geschwindigkeit, mit der die Kämpfe ausgetragen wurden.
Und dann waren da natürlich das Blut, das viele, viele Blut, die versteckten Finish Him-Moves, Totenschädel und Skelette.

Einige meinten mit Elektrozahnbürsten die Speziallevels, die schnelles Knöpfchen drücken erforderten, einfacher zu bezwingen, gegen „Freddie-Fastfinger“ zogen allerdings selbst die Maschinen den Kürzeren. In den Kämpfen selbst sah die Sache leider ein wenig anders aus: Während ich die Fights gegen die CPU meistens erfolgreich gestalten konnte, wurde mein Allerwertester gegen (nennen wir sie mal) Freunde meistens grün und blau geschlagen und mein Kämpfer gepfählt, gevierteilt, verbrannt und auf alle möglichen Arten zerstückelt und zerbröselt.

Bei diesem Spiel erlebte ich persönlich das erste Mal, dass verängstigte Eltern und panikmachende Medien sich auf unser Hobby einschossen und dagegen wetterten, wie zuvor schon gegen Heavy Metal, wie zuvor gegen Rockmusik, wie zuvor gegen Comics, wie zuvor…(ihr dürft die Liste gerne ergänzen, meiner Meinung nach geht das zurück bis zu den Höhlenbewohnern von denen die meisten Älteren gegen die Einführung des Feuers waren.)

Später konterte Capcom mit Street Fighter 2 Turbo, welches nun eine ähnliche Spielgeschwindigkeit bot wie die blutrünstigen Mortal Kombat Kämpfer; zumindest wenn man per Tastenkombination die einstellbare Geschwindigkeit auf Zehn erhöhte.
Dies war die einzige Neuerung gegenüber dem Vorgänger neben den nun auch spielbaren Endgegner; dies war uns trotzdem die Fr. 169.- wert die das Modul damals kostete.

Beschwert sich noch jemand über die heutigen Softwarepreise?

Nun noch die wichtigste aller Fragen: Sei ihr Team Streetfighter oder Team Mortal Kobat? Entscheidet weise, es kann nur eines geben! 😉

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