Tagebuch eines Videospieljunkies – Teil 1

Einstieg in die wundervolle Welt der Videospiele, oder als 8Bit nicht ein Stilelement, sondern Highend war…

Über dreissig Jahre ist es nun her, als ich das erste Mal einen Joystick in der Hand hielt. Ich muss wohl vier oder fünf Jahre alt gewesen sein; mitten in den achtziger Jahren des letzten Jahrtausends; als Bytes noch Bits waren und Blut in Videospielen noch quadratische, rote Farbkleckse.

Der VC20 meines Bruders war wohl mein erster Kontakt mit den virtuellen Welten. Damals war das betreffende Speichermedium eine Kassette, welche aussah, als könnte sie auch den neusten Hit von Nena beinhalten. Allerdings waren darauf knallharte Spiele beheimatet, deren erste Schwierigkeit darin bestand, das entsprechende Spiel zu laden.

Ihr beklagt euch über die heutigen Ladezeiten?

Habt ihr schon einmal eine Kassette in das Abspielgerät gelegt, dank dem eingebauten Zähler, der von 000 bis 999 reichte, und dem dazu passenden Hinweis auf der Kassettenhülle, zur entsprechenden Stelle gespult, den korrekten Befehl zum Laden eingetippt und gleichzeitig Play auf dem Kassettengerät gedrückt? … und in einem von fünf Fällen funktionierte dies sogar!

Quest und Old Surehand waren damals die Titel meiner Begierde. Die damaligen Spiele setzten in den meisten Fällen auf eine ausgezeichnete Reaktion, was mir sehr zu Gute kam, oder aber auf stählerne Handgelenke, was mir später auch nützlich war…

Schon bald tauchte der C64 in unserer guten Stube auf, welcher Gottseidank die Datasette durch ein Floppy Disk-Laufwerk und dazu passende Disketten ablöste.

Die Spiele wurden komplexer, auch wenn der generelle Spielablauf nach wie vor auf Reaktionen und/oder Joystickrütteleien setzte.
Dennoch entstanden neue Genres und Spielideen, besonders in Erinnerung blieben mir die Point-and-Click Adventures. Lucasarts war wegweisend in dieser Hinsicht. Detaillierte Comicgrafiken und ein toller Humor, sowie das Gameplay, das auf Action, ausserirdische Invasoren und ähnliches verzichtete, hoben Titel wie Monkey Island von der Masse ab.

Als kleiner Junge, der gerade das Schreiben und Lesen lernte, versuchte ich mich in Titeln, die neben der Kunst des Lesens auch Grundkenntnisse der englischen Sprache erforderten (damals musste man sich nicht mit schlecht übersetzten Texten herumschlagen) und zu meiner eigenen Überraschung verstand ich das Wichtigste relativ schnell und schlug mich tapfer durch Guybrush Threepwoods Piratenabenteuer.
Leider war die dritte der total vier Disketten defekt, so dass ich nach mehreren Monaten die Segel streichen musste. Shit Happens, auch damals schon! Zum Glück erschien Jahrzehnte später ein HD-Remake so dass ich das Ende der Geschichte dennoch erfahren konnte.

Ein Kollege bekam irgendwann ein NES geschenkt, etwas ungewohnt diese „Joypads“, aber schnell hatte ich den Dreh raus, und dieser untersetzte italienische Klempner mit seinen Pilzen und Sternen hatte einen Charme, dem man sich kaum widersetzten konnte.

Dann war da noch dieser kleine, grüne Elf, der ein riesiges Königreich erkundete und, zuerst nur mit Holzschwert und drei Herzchen, später mit Bogen, Bomben und Bumerang bewaffnet, sowie einer riesigen Lebensleiste ausgestattet, durch die gigantische Welt lief und Monster plättete, Rätsel löste und Dungeons durchquerte.
Allerdings muss ich zu meiner Schande gestehen, die Prinzessin nie gerettet zu haben, da ich diesen vermaledeiten siebten Dungeon nie gefunden habe!
Ein Mit-WoGler, jünger als ein Sega MegaDrive, erklärte mir Jahrzehnte später, wo dieser zu finden sei.

Es war also doch ein Baum, den man mit der Fackel wegbrennen musste! Dabei hatte ich damals mehr Bäume verbrannt als südamerikanische Viehzüchter es je getan hatten, nur nicht diesen einen, richtigen, der den zweitletzten Kerker des Spiels verborgen hielt!
Es muss wohl nicht darauf hingewiesen werden, dass dieser Vorfall mich tief in meiner Zockerehre traf – wie ein Schildkrötenpanzer auf der Zielgeraden…

Text vom Ponyhof Besucher

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